Die Team Decision Cards der Nerd Republic sind ein Kartenset, mit dem Teams transparent klären, wie Entscheidungen getroffen werden sollen.
Bevor ihr in die Inhalte einsteigt, wählt ihr mithilfe der Team Decision Cards eine Entscheidungslogik, wodurch für alle nachvollziehbar wird was und wie entschieden wird.
Ziel des Spiels
Das Ziel der Team Decision Cards ist nicht unbedingt die „beste“ Entscheidungsmethode zu wählen.
Das Ziel ist, eine bewusste, gemeinsam getragene Entscheidung darüber zu treffen, wie entschieden wird.
- Welche Form von Beteiligung ist hier sinnvoll? Gruppe oder Individuum?
- Wie viel Tempo brauchen wir?
- Wie fragil oder robust darf die Entscheidung sein?
Die 10 Team Decision Karten
Jede Karte steht für eine konkrete Art, Entscheidungen zu treffen. Keine ist grundsätzlich besser als eine andere. Entscheidend ist, wann und wo sie eingesetzt wird.
1. Konsens: Wir sind uns alle einig
Eine Entscheidung wird erst getroffen, wenn alle aktiv zustimmen.
Diese Form erzeugt hohes Commitment, braucht aber Zeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung.
Geeignet für grundlegende Fragen mit langfristiger Wirkung.
2. Konsent: Niemand erhebt einen Einwand
Eine Entscheidung gilt als getroffen, solange niemand einen schwerwiegenden Einwand hat.
Es geht nicht um Begeisterung, sondern um Tragfähigkeit.
Gut für pragmatische Entscheidungen bei begrenzter Zeit.
3. Konsultative Einzelentscheid: Ich entscheide, nachdem ich euch gefragt habe
Eine Person trifft die Entscheidung, holt sich vorher aber gezielt Meinungen und Perspektiven ein.
So bleibt Verantwortung klar und Wissen wird geteilt.
Sinnvoll bei komplexen Themen mit klarer Zuständigkeit.
4. Mehrheitsentscheid: Die Mehrheit entscheidet
Die Option mit den meisten Stimmen setzt sich durch.
Schnell und einfach, aber mit dem Risiko, Minderheiten zu übergehen.
Geeignet für überschaubare Entscheidungen ohne große Langzeitfolgen.
5. Konsensbasierte Gruppenentscheidung: Wir entwickeln gemeinsam eine Lösung
Das Team arbeitet gemeinsam an einer Lösung, statt zwischen vorgegebenen Optionen zu wählen.
Der Prozess steht im Vordergrund, nicht die Abstimmung.
Sinnvoll bei offenen Fragestellungen und hoher gemeinsamer Verantwortung.
6. Alleinentscheid: Ich entscheide alleine
Eine Person entscheidet ohne Einbindung anderer.
Effizient und klar, aber mit begrenzter Perspektive.
Geeignet bei Zeitdruck, klarer Expertise oder Krisensituationen.
7. Zufallsentscheid: Wir lassen den Zufall entscheiden
Die Entscheidung wird bewusst dem Zufall überlassen, z. B. durch Würfeln oder Losen.
Reduziert Diskussionen, wenn mehrere Optionen gleichwertig sind.
Hilfreich, um Blockaden zu lösen oder Zeit und Energie zu sparen.
8. Mandatierung: Wir mandatieren eine Person, die entscheidet
Das Team überträgt die Entscheidungsverantwortung bewusst an eine Person oder Rolle.
Der Rahmen ist geklärt, die Entscheidungshoheit eindeutig.
Sinnvoll, wenn Vertrauen vorhanden ist und Klarheit gebraucht wird.
9. Einstimmigkeit: Alle müssen zustimmen, sonst gibt es keine Entscheidung
Ohne vollständige Zustimmung gibt es keine Entscheidung.
Sehr verbindlich, aber auch sehr anspruchsvoll.
Geeignet für Entscheidungen mit hoher Tragweite oder rechtlicher Relevanz.
10. Systemisches Konsensieren: Wir messen den Widerstand
Nicht die Zustimmung wird gemessen, sondern der Widerstand gegen Optionen. Dabei kann man z. B. mit Zahlen von 1 – 10 arbeiten (1 = geringer Widerstand, 10 = hoher Widerstand).
Die Lösung mit dem geringsten Gesamtwiderstand wird gewählt.
Besonders hilfreich bei vielen Beteiligten und komplexen Entscheidungsräumen.
So spielt ihr – Schritt für Schritt
1. Themen sammeln
Legt gemeinsam fest, über welche Entscheidungen ihr sprechen wollt. Unsere Empfehlung: Macht nicht zu viel auf einmal, da es schnell eher ermüdend als klarheit-schaffend werden kann.
2. Karten austeilen
Jede Person erhält ein Set mit zehn Karten. Jede Karte steht für eine eigene Entscheidungsart, die von uns auf drei Ebenen bewertet wurde – 1. ob die Entscheidung von einer/wenigen Personen oder von vielen/allen getroffen wird; 2. Geschwindigkeit der Entscheidung; 3. Tragfähigkeit/Belastbarkeit der Entscheidung. Eine Beschreibung der Arten findet ihr oben.
3. Situation vorstellen
Eins der zuvor gesammelten Themen wird vorgelesen oder kurz beschrieben, zum Beispiel:
„Einstellung neuer Teammitglieder“ oder „Technologieentscheidungen“. An dieser Stelle hilft es, nochmal Verständnisfragen zu klären. Alle sollten genau wissen um welches Thema es geht und wie sich dieses gegebenenfalls eingrenzt.
4. Entscheidung treffen (still)
Jede Person überlegt für sich, welche Entscheidungsart sie in dieser bestimmten Situation wählen würde und wählt die dazu passende Karte.
5. Karten aufdecken
Eine Person zählt runter und alle zeigen gleichzeitig ihre Karte. Jetzt wird sichtbar, wie unterschiedlich (oder ähnlich) die Einschätzungen sind.
6. Unterschiede besprechen
Wenn sich die Karten unterscheiden, erklären die Personen mit unterschiedlichen Karten kurz ihre Sicht. Gerade durch diesen Diskurs wird Transparenz geschaffen und nicht selten das Thema nochmal besser „gegriffen“ zum Beispiel mit einer Eingrenzung. Im einfachsten Fall habt ihr bereits nach dem Aufdecken Klarheit und eine gemeinsame Linie. Am häufigsten entsteht der Fall, dass es kleine Abweichungen gibt, die sich schnell Lösen lassen. Es kann aber auch sein, dass ein paar Dicke Brocken auf dem Tisch liegen.
7. Ergebnis festhalten
Die gewählte Entscheidungsart wird dokumentiert, z. B. auf einem Board. So bleibt die Entscheidung sichtbar und überprüfbar.
8. Nächste Runde
Wiederholt Schritte 3. bis 7. mit dem nächsten Thema.
Tipp
Nutze die Skalen auf den Karten als Grundlage deiner Kartenwahl. Jede Entscheidungsart hat drei Skalen in denen bewertet wird, ob eine Entscheidung eher…
… als Gruppe oder als Einzelperson getroffen wird,
… langsam oder schnell getroffen wird,
… fragil oder robust ist.
Wenn eine Entscheidung also beispielsweise besonders schnell getroffen werden soll, kannst du die Karten in die engere Auswahl nehmen, die auf der Geschwindigkeitsskala zu „schnell“ neigen.
